Es gibt Inseln, die verkaufen sich selbst. Und dann gibt es St. Kitts, das seit Jahren das gleiche Problem hat: Jeder, der schon dort war, schwärmt davon. Und kaum jemand, der noch nicht dort war, kann die Insel auf der Karte verorten. Ich habe das selbst erlebt, als ich im Frühjahr auf einer Geburtstagsfeier erzählt habe, dass ich drei Wochen auf St. Kitts und Nevis verbracht habe. Eine Freundin fragte mich ernsthaft, ob das bei Hawaii liegt. Die Antwort ist: ungefähr 4.500 Kilometer daneben.
Dabei hat die kleine Doppelinsel in der östlichen Karibik alles, was man sich von einem Karibikurlaub wünscht, plus eine Besonderheit, die nur wenige kennen: eine stillgelegte Zuckerrohrbahn, die heute Touristenzüge über die ganze Insel zieht. Dazu ein UNESCO-Weltkulturerbe, das noch nicht von Kreuzfahrtmassen überrollt wird. Und ja, auch einen zweiten Pass, über den seit Jahren geredet wird. Dazu später mehr.
Wichtige Erkenntnisse
- St. Kitts und Nevis ist ein souveräner Zwei-Insel-Staat in der östlichen Karibik, Hauptstadt ist Basseterre auf St. Kitts
- Die beste Reisezeit liegt zwischen Dezember und April, dafür ist es dann auch am teuersten
- Bezahlt wird mit dem Ostkaribischen Dollar, der fest an den US-Dollar gekoppelt ist
- Die Brimstone-Hill-Festung gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, die Zuckerrohrbahn ist das ungewöhnlichste Ausflugsziel der Insel
- Der Reisepass von St. Kitts und Nevis ist einer der stärksten der Region, vor allem wegen der Staatsbürgerschaft durch Investition
- Die Kriminalitätsrate liegt deutlich unter dem, was man aus anderen Teilen der Karibik kennt
St. Kitts in der Karibik: wo genau liegt diese Insel eigentlich?
Suchen Sie auf der Karte nach Puerto Rico und gehen dann etwa 350 Kilometer nach Südosten, landen Sie direkt auf der Inselgruppe. St. Kitts und Nevis bilden zusammen mit Saba und Sint Eustatius die sogenannte „Inselkette über den Wolken", ein Teil der Kleinen Antillen. Der Name kommt nicht von ungefähr: Vom Gipfel des Mount Liamuiga aus kann man an klaren Tagen vier oder fünf Nachbarinseln gleichzeitig sehen.
Was viele nicht wissen: Die beiden Inseln sind nicht gleich groß. St. Kitts bringt etwa 168 Quadratkilometer auf die Waage, Nevis nur rund 93. Zwischen beiden liegt eine Meerenge von knapp drei Kilometern, die man per Wassertaxi in etwa zehn Minuten überquert. Ich habe das an einem Dienstagmorgen gemacht, mit einem Fischer, der gleichzeitig sein Netz reparierte und mir erklärte, warum die Einheimischen Nevis lieber mögen. Kurz gesagt: weil es ruhiger ist.
Wie sieht die Karte von St. Kitts aus?
Die Insel hat eine Form, die man nicht vergisst. St. Kitts sieht aus wie ein Tennisschläger mit einem breiten Griff nach Südosten. Der Griff ist die Halbinsel, dort liegen die Strände, der Rest ist Bergland mit Regenwald. Nevis dagegen ist fast ein Kreis, mit dem 985 Meter hohen Nevis Peak genau in der Mitte, fast immer in eine kleine Wolke gehüllt.
Wer sich die St. Kitts Karte genauer ansieht, erkennt ein Muster: Fast alles Touristisch-Erschlossene liegt im Südwesten und Südosten, der Norden und die Mitte sind dünn besiedelt und landwirtschaftlich geprägt. Das macht die Insel für Individualreisende interessant. Man kann innerhalb von 20 Minuten von einem belebten Strand in eine Gegend fahren, wo man außer Ziegen niemandem begegnet.
Wie viele Einwohner hat St. Kitts und Nevis?
Auf beiden Inseln zusammen leben rund 48.000 Menschen, Tendenz leicht steigend. Das ist weniger als in einer durchschnittlichen Kleinstadt im deutschsprachigen Raum. Auf St. Kitts allein sind es etwa 35.000, auf Nevis der Rest.
Was bei diesen Zahlen untergeht: Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in und um Basseterre, der Rest verteilt sich auf Dörfer. Diese geringe Größe merkt man überall. Beim Bäcker kennt man den Namen. Im Bus winkt man sich zu. Und wenn man länger als eine Woche bleibt, grüßen einen irgendwann wildfremde Leute, weil man irgendwie schon dazugehört.
St. Kitts Sehenswürdigkeiten: Die fünf, die ich wirklich empfehlen würde
Jede Broschüre listet dieselben Orte auf. Nach drei Wochen vor Ort sortiert sich das anders. Meine persönliche Reihenfolge, ehrlich gesagt:
- Brimstone Hill Fortress — eine Festung aus dem 17. Jahrhundert, die die Briten auf einen 250 Meter hohen Hügel gebaut haben. Der Blick auf die umliegenden Inseln ist besser als alles, was ich in der Karibik sonst gesehen habe. Eintritt etwa 15 US-Dollar, gültig für ein ganzes Jahr.
- St. Kitts Scenic Railway — eine 46 Kilometer lange Bahnstrecke, die ursprünglich für den Zuckerrohrtransport gebaut wurde. Heute fährt sie Touristen in Doppelstockwagen einmal um die halbe Insel. Rund drei Stunden, zwei Getränke inklusive.
- Timothy Hill — keine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinn, nur ein Aussichtspunkt an der Südostküste, wo Atlantik und Karibisches Meer aufeinandertreffen. Ich habe dort 40 Minuten gestanden und einfach geschaut.
- Romney Manor — ein kleines Herrenhaus mit Gartenanlage, in dem man in einer halben Stunde mehr über die Plantagengeschichte erfährt als in jedem Museum. Die Batikwerkstatt nebenan ist überraschend gut.
- Frigate Bay — die Hauptstrandzone, touristisch, aber nicht überlaufen. Zwei Strände, ruhiges Wasser auf der Karibikseite, Wellen auf der Atlantikseite.
Was in solchen Listen selten steht: Die Geheimtipps auf St. Kitts liegen eher im Kleinen. Ein umgebauter Rumladen in Old Road Town, in dem man mittwochs Livemusik hört. Eine Bar in Sandy Point, die nur geöffnet hat, wenn der Fischerhafen voll ist. Der Friedhof hinter der anglikanischen Kirche in Basseterre, in dem drei Generationen plantagenzeitlicher Familien liegen.
Anreise, Flüge und die Frage nach der besten Reisezeit
Aus dem deutschsprachigen Raum gibt es keine Direktflüge. Das ist unbequem, aber kein Drama. Die gängige Route führt über London Gatwick mit British Airways, über Paris mit Air France, oder über ein US-Drehkreuz wie Miami oder Charlotte mit American Airlines. Flüge nach St. Kitts und Nevis bucht man am günstigsten zwischen April und Juni, weil dann die Hurrikansaison noch nicht voll einsetzt, die Preise aber bereits deutlich unter dem Winterhochsaison-Niveau liegen.
Wie viele Stopps muss ich einplanen?
Realistisch sind ein bis zwei Zwischenlandungen, was einer Tür-zu-Tür-Zeit von 14 bis 20 Stunden entspricht. Ich habe auf meiner ersten Reise 22 Stunden gebraucht — nicht wegen der Strecke, sondern wegen eines verspäteten Anschlusses in Miami. Empfehlenswert ist mindestens drei Stunden Umsteigezeit einzukalkulieren. Und ein Hinweis, den ich selbst nicht bedacht hatte: Der kleine Flughafen Robert L. Bradshaw in Basseterre ist abends ab acht Uhr geschlossen, spätere Landungen leiten Flugzeuge nach Nevis um.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Die wissenschaftlich belegbar beste Reisezeit sind die Monate Dezember bis April. Dann ist es trocken, um die 28 Grad warm, und die Hurrikansaison ist offiziell vorbei. Der Preisunterschied ist allerdings heftig: Ein Hotelzimmer, das im Februar 350 Euro kostet, kostet Ende September oft weniger als die Hälfte. Wer mit etwas Regen leben kann, fährt in der Nebensaison und spart an einer Woche leicht 1.000 Euro.
St. Kitts und Nevis Kriminalität: wie sicher ist die Insel wirklich?
Falsche Frage, richtige Antwort: Sicherer als die meisten Karibikinseln, die man kennt — aber mit einem konkreten Bereich, auf den man achten sollte.
Was ich vor Ort erlebt habe: Ich bin nachts durch Basseterre gelaufen, allein, mit einer Kamera um den Hals. Kein Problem. Nicht in jedem Karibikstaat würde ich das machen. Was die Einheimischen mir aber ungefragt erzählt haben: Die meisten Vorfälle passieren in bestimmten Wohnvierteln im Osten der Hauptstadt und haben fast immer mit Drogenhandel zu tun, nicht mit Touristen. Ausgeraubt wird man eher in den typischen Touristenzonen an den Stränden, wenn man die Wertsachen offen herumliegen lässt.
| Bereich | Einschätzung | Was ich empfehle |
|---|---|---|
| Touristenzonen (Frigate Bay, South Friars) | Sehr sicher | Wertsachen nicht unbeaufsichtigt liegen lassen |
| Basseterre am Tag | Unproblematisch | Kein besonderes Verhalten nötig |
| Basseterre nachts | Überwiegend sicher | Auf Hauptstraßen bleiben |
| Östliche Wohnviertel | Erhöhte Aufmerksamkeit | Als Tourist nichts zu suchen |
| Nevis allgemein | Extrem ruhig | Keine Einschränkungen |
Kurz gesagt: Ich würde die Kriminalität auf St. Kitts und Nevis mit der in einem ruhigen Urlaubsort in Südeuropa vergleichen. Man muss nicht paranoid sein, aber gesunden Menschenverstand sollte man nicht am Gate lassen.
St. Kitts und Nevis Pass: warum reden so viele darüber?
Der Reisepass von St. Kitts und Nevis ist einer der stärksten in der Karibik und ermöglicht visumfreie Einreise in über 150 Länder, darunter Großbritannien, die EU, Singapur und Hongkong.
Was den Pass interessant macht, ist das Programm der Staatsbürgerschaft durch Investition. Wer den Beitrag leistet oder eine genehmigte Immobilie kauft, kann die Staatsbürgerschaft erhalten. Ich habe mich vor Ort mit einem Anwalt unterhalten, der diesen Prozess betreut, und was mich überrascht hat: Die Mehrheit der Antragsteller kommt inzwischen nicht mehr aus Europa, sondern aus dem Nahen Osten und Asien. Der Zeitraum für die Bearbeitung liegt typischerweise bei vier bis sechs Monaten. Die genauen Mindestbeträge ändern sich regelmäßig, dazu sollte man den aktuellen Stand bei einer zugelassenen Agentur erfragen.
Was man dazu sagen muss: Wer den Pass nur als Vehikel sieht, verpasst etwas. Ich kenne drei Personen, die das Programm genutzt haben und danach tatsächlich Zeit auf der Insel verbracht haben. Zwei von ihnen sind geblieben.
St. Kitts und Nevis Flagge und der Alltag auf der Insel
Die Flagge von St. Kitts und Nevis ist grün, gelb, schwarz und rot, mit zwei weißen Sternen und einem diagonalen schwarzen Band. Grün steht für die Fruchtbarkeit der Inseln, Gelb für die Sonne, Schwarz für die afrikanische Herkunft der Bevölkerung, Rot für den Kampf um Unabhängigkeit. Die zwei weißen Sterne stehen für die zwei Inseln — und, so erklärte mir eine Lehrerin in Basseterre, auch für „Hoffnung und Freiheit".
Man sieht diese Flagge übrigens erstaunlich oft. Nicht nur auf öffentlichen Gebäuden, sondern auf Fischerbooten, an Strandbars, auf Schulranzen. Diese Selbstverständlichkeit hat mich überrascht. Sie erzählt mehr über das Land als jede Statistik.
Und was bleibt nach drei Wochen auf einer Insel, die kaum jemand auf der Karte findet? Die Erinnerung an den Blick von Timothy Hill, wo Atlantik und Karibik zusammenlaufen. Der Geruch von geröstetem Fisch am Hafen. Die Erkenntnis, dass die schönsten Orte selten die sind, die in Reiseführern stehen — sondern die, an denen man versehentlich landet und dann drei Stunden bleibt.
Wenn Sie also das nächste Mal jemanden fragen hören, wo St. Kitts eigentlich liegt, haben Sie jetzt eine Antwort. Und vielleicht, irgendwann, eine eigene Geschichte dazu.